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Kunst mit Federstrich und Sprechblase

Kolumne: Batke dichtet - Es sind Karikaturen, die unserem mitunter skurrilen Alltag ein bisschen mehr Leichtigkeit verleihen.

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Es kursiert in diesen Tagen eine schöne Zeichnung auf etlichen sozialen Kanälen. Sie zeigt einen Gast in einem Restaurant, der in der Speisekarte blättert und einen vorschriftsmäßig maskierten Kellner, der bereit ist, die Bestellung aufzunehmen. Vorher, so die Servicekraft, brauche er aber noch „Ihre Tracing ID, Ihren Immunitätsausweis, ein Social Scoring-Rating von mindestens AA, den Link zu Ihrem Facebook-Profil, Geburtsurkunde, Führungszeugnis und den Videothekenausweis“.

Sie merken schon, da überzeichnet einer ziemlich kräftig – den Kern des Themas aber trifft er mit dieser Überzeichnung. Es sind Karikaturen wie diese, die unserem mitunter skurrilen Alltag ein bisschen mehr Leichtigkeit verleihen. Für mich ist die Karikatur ein hohes Kulturgut, das in keiner guten Zeitung fehlen darf. Der Karikaturist dieses Medienhauses ist Jürgen Tomicek. In früheren Jahren sagte er einmal, dass er Zeichnen nie zu seinem Beruf machen möchte. Dafür sei es zu schön. Zu dieser Zeit war er noch Polizist und steuerte ein schweres Motorrad durch Westfalen. Doch das wurde von einem Kollegen übernommen, mittlerweile ist Tomiceks Leidenschaft doch zur Vollzeitbeschäftigung geworden; er wird von der Ostsee bis zu den Alpen gedruckt.


„Du musst differenzieren zwischen Volldurchgeknallten, Halbdurchgeknallten und Vierteldurchgeknallten.“Alfons Batke, Journalist

Ausnahmesituationen, wie sie durch die Corona-Pandemie entstanden sind, spielen natürlich jedem Karikaturisten in die Karten und mithin in Hände und Hirn. Wunderbar ist Tomiceks kürzlich publizierte Zeichnung, die den völlig ausrastenden US-Präsidenten Donald Trump im Behandlungszimmer seines Leibarztes zeigt. Der lakonische Kommentar des Docs: „Er hat wieder sein Malariamittel genommen.“ Die Karikatur, so heißt es in einer Definition, nehme in bildlicher Form zu einem aktuellen Sachverhalt ironisch-sarkastisch Stellung.

Einer, der dieses Handwerk ebenfalls meisterhaft beherrscht, ist der mehrfach preisgekrönte Elder Statesman der Szene, Klaus Stuttmann. Der 71-jährige ist gerade in der Corona-Zeit voll auf der Höhe selbiger. Eine der zahlreichen Demos der jüngeren Zeit mit Transparenten wie „Corona – Biowaffe“, „Impfterrorismus“ und „Schluss mit der Merkel- und Virologen-Diktatur“ versah er mit der Sprechblase: „Du kannst sie nicht alle in einen Topf werfen. Du musst differenzieren zwischen Volldurchgeknallten, Halbdurchgeknallten und Vierteldurchgeknallten.“

Schön auch Stuttmanns aus eigener Erfahrung sprechender Verschwörungstheoretiker. Ihm hat der Karikaturist das Virus ins Gehirn implantiert und lässt ihn sagen: „Dass das Virus die Lunge schädigt, stimmt einfach nicht.“ Gern wollen wir den kleinen Streifzug durch die Welt der Karikatur, die in unserem Land der unfreiwilligen Komik mit Hygienedemos, Aluhüten und Hefe-Hamsterkäufen einen ergiebigen Nährboden hat, mit einem besonders gelungenen Werk des Schweriner Zeichners Mario Lars abschließen, der sich des Themas Massentierhaltung und Werkverträge annimmt. Es zeigt zahllose Schweine auf engstem Raum. Eines davon bekommt diesen flotten Spruch in den Rüssel gelegt: „Ich werde nicht in einen Schlachthof gehen, in dem so unmenschliche Arbeitsbedingungen herrschen.“ Eine kleine Zeichnung, ein einziger Satz – und so viel gesagt.

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