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#Nordkoreanischnachhilfe

Kolumne: Irgendwas mit # - Wer an Nordkorea denkt, denkt zuerst an Kim Jong Un und Propaganda. Dabei vergessen wir allzu oft, dass in dem Land Millionen Menschen leben, die denken und fühlen.

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Nordkorea übt auf die meisten Menschen eine gewisse Faszination aus. Das ist nicht sonderlich überraschend, wissen wir doch erschreckend wenig über dieses isolierte Land. Die Erkenntnisse, die wir bislang gewinnen konnten, sind dagegen kaum zu ertragen. Propaganda, Hunger, Konzentrationslager – um ein paar furchtbare Beispiele zu nennen. Jede noch so banale Information, die nach außen gelangt – vor allem über den Diktator Kim Jong Un – wird deshalb medial ausgeschlachtet.

Wer hat nicht schon mindestens eine Reportage oder Dokumentation über Nordkorea gesehen? Aber sind wir ehrlich. Ausländische Journalisten können kaum ein reales Bild dieses Landes zeichnen. Die nordkoreanische Regierung selbst sorgt stets dafür, dass wir Propaganda-verseuchte Marionetten präsentiert bekommen. Dabei interessiert uns doch vor allem, wie die Menschen dort wirklich leben, was sie wirklich denken. Es ist nur schwer vorstellbar, dass die rund 20 Millionen Nordkoreaner 24/7 ihren Marschall Kim verehren und ihren Nachbarn misstrauen müssen. Man wünscht den Menschen dort so sehr, dass es darüber hinaus auch schöne Momente gibt.

An der Produktion wirkte ein Überläufer mit

Einen kleinen Hoffnungsschimmer schenkt uns eine südkoreanische Serie, die mir der Netflix- Algorithmus kürzlich empfohlen hat: „Crash Landing On You“. #stayhome sei Dank, möchte man fast sagen. Kurz zum Plot: Eine junge Unternehmerin aus Seoul stürzt nach einem Unwetter mit ihrem Gleitschirm jenseits der Grenze in Nordkorea ab. Ein Soldat findet sie. Er entscheidet sich dagegen, sie seinen Vorgesetzten auszuliefern und versucht stattdessen, ihr dabei zu helfen, unbemerkt in ihre Heimat zurückzukehren. Das ist natürlich alles andere als ungefährlich.

Das Besondere an dieser Serie ist, dass sie den Großteil der Handlung nach Nordkorea verlegt. In ein Land also, dessen Alltag wir doch kaum kennen. Trotzdem erhält der Zuschauer einen überraschend glaubwürdigen Einblick. Wie das gelingt? An der Produktion wirkte ein nordkoreanischer Überläufer als Autor mit. Kwak Moon-wan arbeitete in Nordkorea nicht nur als Filmschaffender, sondern auch als eine Art Bodyguard für die Diktatoren-Familie. Sein Wissen stattet die Serie mit wertvollen Details aus.

"Da leben tatsächlich Menschen, die liebenswürdig sein können. Menschen mit Humor."Carina Meyer, Redakteurin

Der Zuschauer begleitet also den Soldaten in sein Heimatdorf und lernt dessen Nachbarn näher kennen. Um überraschend festzustellen: Da leben tatsächlich Menschen, die liebenswürdig sein können. Menschen mit Humor. Die Autoren verschonen uns größtenteils mit den üblichen Stereotypen. Stattdessen freunden wir uns mit jungen Soldaten und Müttern an, die kritischer sind, als wir das vielleicht erwartet hätten. So manche Szene erinnert an Filme wie „Das Leben der Anderen“, und als deutsche Zuschauerin entwickelt man eine absurd-anmaßende Verbundenheit mit den Charakteren.

Wir erfahren beispielsweise, dass Strom wahnsinnig unzuverlässig ist und Duschen eine echte Herausforderung sein kann. Auch die Politik und die internen Machtkämpfe werden nicht ausgespart. Manchmal muss man sich selbst daran erinnern, dass alles Fiktion ist und dass die Realität vermutlich um ein Vielfaches grausamer ist. Aber das macht die Serie nicht weniger spannend. Im Gegenteil. Die Serie erhielt auch von Nordkorea-Kennern viel positives Feedback.

Netflix hält mit diesem Serienhit aus Südkorea eine echte Perle bereit. Wer also die Untertitel nicht scheut und mit kitschiger Romantik zwischendurch zurechtkommt, sollte die Reise in das Unbekannte unbedingt wagen. Es lohnt sich.

Zur Person:

  • Carina Meyer ist Redakteurin von OMonline.
  • Die Autorin erreichen Sie unter info@om-online.de.

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