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Zwei Theater-Veteranen ziehen sich zurück

Bernd Kessens und Werner Schiller geben ihre Vorstandsämter im Verein Theater Dammer Berge auf.  Sie bleiben der Bühne aber verbunden.

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Ein wortgewaltiger Mime: Werner Schiller hat immer eine Hauptrolle gespielt. Als Räuberhauptmann verabschiedete er sich 2019 von der Bühne. Foto: Lammert

Ein wortgewaltiger Mime: Werner Schiller hat immer eine Hauptrolle gespielt. Als Räuberhauptmann verabschiedete er sich 2019 von der Bühne. Foto: Lammert

Eigentlich wollten Bernd Kessens und Werner Schiller als Vorsitzender beziehungsweise stellvertretender Vorsitzender des Vereins Theater Dammer Berge seit einigen Wochen im Ruhestand sein. Doch dann kam Corona und verhinderte, dass für die beiden Dammer Theater-Veteranen bei der Vorstandsarbeit der letzte Vorhang schon gefallen ist.

Obwohl mit Aloys Schulte ein Kandidat für die Wahl des Vorsitzenden feststeht - ein potenzieller Schiller-Nachfolger ist noch nicht gefunden, bewegt sich an der Spitze des rund 60 Mitglieder zählenden Vereins nichts. Denn die Generalversammlung inklusive Vorstandwahl konnte bislang nicht stattfinden. Wann sie über die Bühne gehen wird? Bernd Kessens zuckt mit den Schultern: "Das weiß ich nicht." "Hoffentlich noch dieses Jahr", ergänzt Werner Schiller.

Seit der Gründung des Vereins sind die beiden 72-Jährigen in Amt und Würden. So wie die übrigen Vorstandsmitglieder auch. "Die anderen  wollen alle weitermachen", sagt Bernd Kessens. Während sich Werner Schiller nach neun Inszenierungen auch aufs schauspielerische Altenteil zurückziehen wird, wird Bernd Kessens als Autor, Dramaturg und Regisseur weiterarbeiten. 

"Ein bisschen rumhopsen auf der Bühne und laut sprechen kann ich schon."Werner Schiller, Schauspieler

Für Werner Schiller schloss sich dagegen 2019 mit den "Räubern vom Mordkuhlenberg" bei den zweiten Dammer Dom-Festspielen ein Kreis. Denn auch bei seiner Schauspieler-Premiere gab er 2005 in diesem Kessens-Stück den Räuberhauptmann - damals aber in der Aula des Gymnasiums. "Als Bernd Kessens mich 2003 fragte, ob ich den Räuberhauptmann spielen wollte, habe ich Ja gesagt und gedacht: 'Ein bisschen rumhopsen auf der Bühne und laut sprechen kann ich schon'", erinnert sich der ehemalige Biologie-Lehrer am Dammer Gymnasium, der dort schon ob seiner markanten und bei Bedarf recht lauten Stimme bekannt war.

Der Anfang: Wenig Geld, aber viel Begeisterung

Ohne Geld und mit einfachsten Mitteln, aber schon damals mit viel Begeisterung und Engagement, startete der Verein Theater Dammer Berge 2004 in die Zukunft auf den Brettern, die für manchen die Welt bedeuten. Der Verein habe sich nach dem ersten Theaterstück weiterentwickelt. Nun gebe es sogar die Dom-Festspiele, sagt Bernd Kessens.

Der Gründer und spiritus rector des Vereins habe, versichert Werner Schiller, einen riesigen Anteil am Erfolg: "Er hat den Schauspielern Begeisterungsfähigkeit eingeimpft." Trotzdem ist für ihn selbst Schluss: "Meine Rolle spiele ich jetzt bei den Enkelkindern."

Als seine beste Rolle auf der Bühne bezeichnet er rückblickend die des Großvaters im Stück "Im Westen geht die Sonne auf". Hier habe er einen einfühlsamen Charakter gespielt. Bernd Kessens bescheinigt ihm rückblickend die "Übereinstimmung von Rolle und Charakter".

Der Autor, Regisseur und Dramaturg nennt als sein liebstes Stück "Romeo und Julia in den Dammer Bergen", die Premiere der Dom-Festspiele 2017. Es ging unter anderem um Konflikte zwischen Katholiken und Protestanten in Damme im Zuge der großen Flüchtlingswellen nach dem Zweiten Weltkrieg.

Bernd Kessens (vorne, Mitte), Motor des Vereins Theater Dammer Berge, freute sich vergangenes Jahr über die positive Resonanz auf die Dom-Festspiele. Foto: LammertBernd Kessens (vorne, Mitte), Motor des Vereins Theater Dammer Berge, freute sich vergangenes Jahr über die positive Resonanz auf die Dom-Festspiele. Foto: Lammert

Seine Theater-Philosophie sieht Bernd Kessens aber nicht nur mit diesem Stück erfüllt: "Das Publikum soll nicht nur lachen. Ein Stück soll erfreuen, die Menschen sollen aber auch immer etwas mit nach Hause nehmen."

Das soll auch beim nächsten Stück so sein, dem dann dritten im Rahmen der Dom-Festspiele. Der Arbeitstitel lautet "Der Junge, der Hitler aufs Kreuz legte". Ob das auch der endgültige Titel sein wird, weiß der Autor Kessens noch nicht.

Aber sicher ist:  Im Mittelpunkt steht der Kreuzkampf im Oktober und November 1936, als die Nationalsozialisten die Kreuze aus den Klassenzimmern in den Schulen im Oldenburger Münsterland entfernen lassen wollten und die Bürger dies mit der Kirche verhinderten.  "Das Stück wird in einer Schule spielen. Es wird um die Denkweisen verschiedener Menschen gehen", verrät Bernd Kessens.

Die dritten Dom-Festspiele finden 2022 statt

Worum es genau geht? Das wird das Publikum allerdings nicht nächstes Jahr erfahren, sondern erst 2022.  Zwar waren die dritten Dom-Festspiele nächstes Jahr im September geplant, aber der Verein hat sie verschoben, weil unter anderem wegen der Corona-Pandemie die für dieses Jahr geplanten Jedermann-Aufführungen auf September 2021 verschoben sind. "Wir möchten auf keinen Fall mit Vechta kollidieren", betont Bernd Kessens.

Und noch ein Problem: Bliebe es beim ursprünglichen Fahrplan, müssten die Proben im kommenden Oktober beginnen. Zumindest ist es nach Worten Werner Schillers fraglich, ob das angesichts der Corona-Pandemie möglich sei. Denn Abstandregeln ließen sich beim Proben schlecht einhalten. Und später auf der Bühne bei den Aufführungen ganz gewiss nicht.

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