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Auf ganz neuen Pfaden des Miteinanders

Die Kontaktbeschränkung stellt die Arbeit des Andreaswerks auf den Kopf. Eine Herausforderung, die angenommen wird.

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Arbeiten unter Krisen-Umständen: Rainer Kalkhoff und Kollegin Maike Helms achten auf einen 1,5 Meter großen Abstand, während sie die Lernmappen für die Teilnehmer des Berufsbildungsbereiches zusammenstellen. Fotos: Andreaswerk

Arbeiten unter Krisen-Umständen: Rainer Kalkhoff und Kollegin Maike Helms achten auf einen 1,5 Meter großen Abstand, während sie die Lernmappen für die Teilnehmer des Berufsbildungsbereiches zusammenstellen. Fotos: Andreaswerk

 "Ihr fehlt uns“  steht derzeit in großen Buchstaben am Zaun der Erich- Kästner-Schule in Vechta. Worte, mit denen laut Mitteilung des Andreaswerks die dortigen Lehrkräfte auch den hauptamtlichen Mitarbeitern der übrigen Fachbereiche des Andreaswerks in diesen Tagen aus der Seele sprechen.

Leere Klassenräume in den Schulen, verwaiste Arbeitsplätze in den Werkstätten, ungenutztes Spielzeug in den Kindergärten und in der Frühförderung: Es ist still geworden im Andreaswerk, seit die meisten Einrichtungen des Vereins vor rund acht Wochen ihre Türen wegen der Corona-Pandemie schließen mussten. Mit vielen kreativen Ideen stellen die Mitarbeiter seither eine alternative Betreuung für die Kinder, Jugendlichen und Erwachsenen mit Beeinträchtigungen auf die Beine und suchen und finden neue Wege für ein Miteinander trotz Kontaktbeschränkungen.

Rita Espelage, Fachbereichsleiterin Schule, ist froh, dass zumindest für die Abschlussstufen der Erich-Kästner-Schule sowie eine Notgruppe der Unterricht vor Ort nun weitergeht, heißt es weiter. Einen Fahrplan, wie für die allgemein- und berufsbildenden Schulen, habe es für die Tagesbildungsstätten lange nicht gegeben, erzählt sie. Für die Mitarbeiter, vor allem aber für die Eltern sei das eine sehr schwierige Situation gewesen. Trotz dieser Ungewissheit liefen in der Schule bereits früh die Planungen für ein Wiederhochfahren des Schulbetriebs sowie Überlegungen, wie der Schulalltag künftig aussehen könnte. Denn: Die Hygiene- und Schutzanforderungen sind für Fördereinrichtungen wie die Erich-Kästner-Schule besonders hoch und Mindestabstände hier nur schwer einzuhalten.

"Der Inhalt jedes Päckchens ist individuell auf den Empfänger zugeschnitten."Rita Espelage, 

Bis sie alle Schüler persönlich wiedersehen kann, freut sich Rita Espelage über die vielen kleinen Nachrichten, Bilder oder sogar Videos, die sie seit der Schließung von einigen von ihnen bekommt. Ihrerseits verschicken sie und ihre Mitarbeiter regelmäßig Grüße und Lernunterlagen an die Familien oder stellen, wie der Fachbereich Kindergarten, Material ins Internet. „Aber nicht alle unserer Schüler können zum Beispiel mit Arbeitsblättern etwas anfangen. Daher ist der Inhalt jedes Päckchens individuell auf den Empfänger zugeschnitten“, ergänzt die Fachbereichsleiterin.

Lernen zu Hause: Dieses Konzept geht in Corona-Zeiten auch im Fachbereich Werkstatt gut auf. Während die Werkstätten selbst weiter geschlossen sind, wird den rund 70 Teilnehmern, die derzeit den Berufsbildungsbereich (BBB) durchlaufen, wöchentlich eine Lernmappe zugeschickt. „Die Bildungseinheiten sorgen dafür, dass sie sich zu Hause mit ihren Ausbildungsinhalten auseinandersetzen können und in ihrer Arbeitsthematik auf dem aktuellen Stand bleiben“, erklärt Rainer Kalkhoff, Abteilungsleiter Werkstatt Brägeler Forst, der mit seinen Kollegen Maike Helms und Klaus Knaak, Leiter des BBB, die Mappen zusammenstellt. Abgestimmt auf ihr Gewerk erhalten die Teilnehmer so Lerninhalte, auch zu Themen wie Verkehrssicherheit, Arbeitssicherheit oder Hygienestandards.

Rainer Kalkhoff ist erleichtert, dass die Leistung des Berufsbildungsbereiches auf diese Weise fortgeführt werden kann. Gleichzeitig vermisst er den persönlichen Kontakt zu den Beschäftigten. Den, so sagt er, könne das momentane Angebot trotz regelmäßiger Telefonate nicht ersetzen. Die anhaltende Schließung der Werkstätten ist laut Mitteilung auch für den Fachbereich Wohnen und Assistenz mit Herausforderungen verbunden. Halten sich viele der Bewohner sonst während des Tages an ihrem Arbeitsplatz auf, muss für sie nun eine Rund-um-die-Uhr-Betreuung in ihren Wohneinrichtungen organisiert werden. Erhöhte Hygienevorschriften, die seit Mitte März bestehenden Besuchs- und Betretungsverbote sowie die Bitte an die Bewohner, das Gelände nicht zu verlassen, haben den Alltag in den Wohngruppen und -heimen zusätzlich verändert.

Maßnahmen stören den strukturierten Alltag

Fachbereichsleiter Guido Moormann weiß, wie wichtig für viele Menschen mit Beeinträchtigungen ein gewohnter und strukturierter Tagesablauf ist und wie schwer ihnen die mit dem Virus verbundenen Umstellungen fallen. Klar ist für ihn aber auch: „Dass bisher keine Covid-19-Erkrankung unter den Bewohnerinnen und Bewohnern unserer Wohnstätten aufgetreten ist, zeigt uns, dass die Maßnahmen greifen und aufrechterhalten werden müssen.“ Erleichtern möchten er und seine Mitarbeiter die Situation für die Bewohner und ihre Angehörigen nicht zuletzt mit der Schaffung alternativer Kontaktmöglichkeiten.

Insbesondere der Videotelefonie kommt dabei eine zunehmende Bedeutung zu. Derweil sind im Fachbereich Kindergarten persönliche Kontakte in Teilen wieder möglich. Hier ist die Erleichterung groß, dass die Kinder aus den heilpädagogischen Gruppen sowie Sprachheilgruppen nun nach und nach in die Einrichtungen zurückkehren können. Spezielle Maßnahmen, wie ein neues Hygienekonzept, wurden inzwischen in den Häusern umgesetzt, um die Kinder vor einer Ansteckung mit dem Virus zu schützen. Die Mitarbeiter des Fachbereiches hoffen, dass auch die übrigen Gruppen, zum Beispiel in den Kindertagesstätten, bald wieder starten können. Bis dahin freuen sie sich über weitere bunt bemalte Steine für die Steinschlangen, die in den vergangenen Wochen vor fast jedem Haus entstanden sind.

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