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Das große Krabbeln ist zurück: Die Hirschkäfer sind wieder da

Beim Dammer Werner Schiller, dem Hirschkäfer-Experten im Landkreis, laufen die Hinweise auf Fundorte mit den Insekten vermehrt ein. Die Käfer stehen auf der Roten Liste.

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Zwei, die sich mögen: Werner Schiller ist immer wieder fasziniert von Hirschkäfern. Seit 2005 hat er sie jedes Jahr von Mai bis in den Sommer genaustens im Blick. Foto: Lammert

Zwei, die sich mögen: Werner Schiller ist immer wieder fasziniert von Hirschkäfern. Seit 2005 hat er sie jedes Jahr von Mai bis in den Sommer genaustens im Blick. Foto: Lammert

Jens von der Heide in der Dammer Bauerschaft Dalinghausen war dieses Jahr der erste, der einen Hirschkäfer (Lucanus cervus) entdeckte. Anfang Mai meldete er ihn und schickte auch gleich ein Foto mit. 

"Die Käfer sind dieses Jahr ziemlich früh dran gewesen, weil es Ende April und Anfang Mai warm war", sagt Werner Schiller von der Dammer Ortsgruppe des Naturschutzbundes. Er gilt als einer Hirschkäfer-Experten in der Region. Seit nunmehr 15 Jahren gehört er zu den Betreibern der sogenannten Hirschkäfer-Hotline.

Die Hirschkäfer, 2012 vom Naturschutzbund zum "Insekt des Jahres" ernannt, steht auf der Roten Liste der gefährdeten Arten. Allerdings ist sein Bestand in den Dammer Bergen wohl nicht akut bedroht. Vor allem in den Bauerschaften, wo noch alte Hofeichen stehen, kommen die Käfer vor. Und von solchen Eichen gebe es in Damme noch einige, sagt Werner Schiller.

Ein weiterer Grund für das vergleichsweise häufige Vorkommen der Insekten in der Region ist das Engagement vieler Naturschützer um Werner Schiller, die alleine in Damme bereits vor Jahren fünf sogenannte Hirschkäfermeiler gebaut und seitdem gepflegt haben.

Foto: Werner Schiller
Foto: Werner Schiller
Foto: Werner Schiller
Foto: Werner Schiller
Foto: Werner Schiller
Foto: Werner Schiller
Foto: Werner Schiller
Foto: Werner Schiller
Foto: Werner Schiller
Foto: Werner Schiller

Solche Meiler bestehen zum Beispiel unterirdisch aus einem angemoderten Wurzelstock und oberirdisch aus Eichenmulm über dem Wurzelstock. Dünne Äste als Schutz gegen Wild und Vögel bedecken die Mulmschicht und sind wiederum mit Kronenhäcksel abgedeckt.

Andere Meiler wie die in Damme sind aus einer etwa 50 Zentimeter tiefen Grube mit Eichenstubben, -stammteilen, -häcksel, -rinde und -sägemehl hergestellt. Auch ihr Aufbau gleicht dem einer Pyramide.

"Das vermodernde Holz ist Futter für die Hirschkäfer-Larven", erklärt Werner Schiller. Die Larven leben fünf bis sechs Jahre im Moderholz, ehe sie sich verpuppen. Dazu verlässt die dann bis zu elf Zentimeter große Larve das Moderholz und legt im Erdreich eine Puppenwiege an, die etwa so groß wie eine Faust ist.

Männchen sterben kurz nach der Paarung

Die fertigen Käfer schlüpfen nach der Umwandlung im Herbst eines Jahres. Aber sie bleiben nach Worten Werner Schillers noch bis zum kommenden Frühjahr unter der Erde. Erst bei steigenden Temperaturen kriechen die Käfer aus dem Erdreich, wobei die Männchen auffällige Zangen haben, die an ein Geweih erinnern.

Das oberirdische Leben der Hirschkäfer währt nur kurz. Die Männchen sterben bald nach der Paarung, die Weibchen kurz nach der Eiablage. Zwischen dem Verlassen des Bodens und dem Tod ernähren sich die Käfer von ausfließenden Baumsäften an sogenannten Leckstellen. Sie fliegen vorwiegend im Juni und Juli in der Abenddämmerung. 

Forscher hätten herausgefunden, dass sich ein Hirschkäfer nach dem Verlassen des Erdreichs nur bis zu zwei Kilometer von seiner Entwicklungsstelle entfernt, teilt Werner Fischer mit, der vor seiner Pensionierung am Dammer Gymnasium Biologie unterrichtete.

Auch der Naturschutzbund im Kreis Vechta betreibt weiter Forschung rund um den Hirschkäfer. Werner Schiller und seine Mitstreiter freuen sich über jede Nachricht von Bürgern, wo diese einen oder mehrere Hirschkäfer gefunden haben.

Die Meldungen können per E-Mail oder eine Internetseite  über Hirschkäfer in den Dammer Bergen erfolgen. Zudem bitten die Naturschützer um ein Foto sowie Angaben zum Fundort, zum Datum, zur Anzahl und dem Geschlecht die Tiere sowie die Adresse desjenigen, der sich gemeldet hat.

Grundsätzlich könnten die Bürger die Hirschkäfer dort lassen, wo sie sie gefunden haben, sagt Werner Schiller. Nur wenn die Tiere an gefährlichen Stellen säßen, sollte der Finder sie an einen anderen Ort setzen. 

  • Info: Wer einen oder mehrere Hirschkäfer findet, sollte das per E-Mail an die Adresse hotline@hirschkaeferparadies-damme-berge.de melden. Mehr Informationen finden sich im Internet auf der Seite www.hirschkaeferparadies-dammer-berge.de.

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