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Kontaktlos einkaufen: Tafel stellt auf SB um

Auch betagte Helfer kehren bei der Cloppenburger Tafel zurück ins Ehrenamt. Um den Abstand einzuhalten, wird nichts mehr aussortiert, sondern nur noch tadellose Ware zur Selbstbedienung verpackt.

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Auswahl im Freien: Um den Infektionsschutz zu verbessern, hat die Tafel ihr Warenangebot ins Freie verlegt. Foto: Kreke

Auswahl im Freien: Um den Infektionsschutz zu verbessern, hat die Tafel ihr Warenangebot ins Freie verlegt. Foto: Kreke

Die Cloppenburger Tafel kehrt mit einem neuen Schutzkonzept zum Alltagsbetrieb zurück. Die größte Neuerung: Kunden bedienen sich jetzt wie im Discount-Markt selbst auf ihrem Rundgang. Ihren Obolus legen sie zum Schluss unter freiem Himmel auf dem Hof in eine Kassette.

So wollen der Vorsitzende Elmar Dubber und sein Stellvetreter Karl-Heinz Thoben vor allem betagte Helfer aus den Risikogruppen vor einer Infektion schützen. Die ehrenamtlichen Mitarbeiter/innen kehren in den Dienst zurück, da die Mitglieder des Jugendparlaments, die bisher den Notbetrieb aufrechterhalten, nach und nach wieder die Schule besuchen.

Den spendenden Unternehmen der Region hat die Tafel eine hohe Hürde gesetzt, um das eigene Personal zu schützen: Damit sich die Helferinnen beim Aussortieren welker Salatköpfe oder „angeschlagener“ Joghurtbecher nicht zu nahe kommen, hat der Tafel- Vorstand alle Firmen und Händler auf ihrer Spenderliste gebeten, nur noch 1-A-Frischware ohne Sortierbedarf zu liefern. „Anders können wir den Abstand nicht wahren“, erklärt der Vorsitzende.

Brot gibt's, so viel jeder mag

Das Ergebnis: Ware, die in jedem Supermarkt-Regal regulär angeboten werden könnte, stapelt sich jetzt üppig im Kühlhaus. Und wöchentlicher Nachschub ist fest zugesagt. „Das hat wunderbar geklappt“, sagt der dankbare Dubber.

Jetzt portionieren die Helferinnen drinnen auf Abstand die Lebensmittel. Abgezählte Paprika im Netz und Streichmettwurst im Metzgerpapier landen getrennt auf Rollwagen, aus denen sich die Kunden selbst bedienen. Wie viel ihnen zugedacht ist, steht auf einem Packzettel. Brot gibt‘s, so viel jeder mag. „So ist abends alles weg und das Brot ist wirklich frisch“, sagt Dubber. Wegen des üppigen Angebots und der Kontaktlockerung können inzwischen wieder alle Kunden kommen. Die Beschränkung auf alleinstehende Menschen mit Kindern und Rentner ist aufgehoben. Drei Frauen kümmern sich um gebrechliche Gäste, die Hilfe beim Packen benötigen.

Im Notbetrieb hatte die Tafel von zwei auf nur einen Öffnungstag umgestellt. Neben dem regulären Donnerstag wird der Montag jetzt als „Reservetag“ angeboten, wenn die Lager zu voll sind. Nächsten Montag, am 25. Mai, ist es wieder so weit. Denn die Firmen sind freigiebig.

Cappelner Betrieb liefert wöchentlich 720 Eier

Allein 410 Kilo Fleisch- und Wurstwaren aus einem handwerklichen Lastruper Betrieb luden die Fahrer gestern aus ihrem Kühl-Lkw: Die 390 Kilo „Meisterpastete“ aus gerolltem Bauchfleisch mit Ei zerschneiden die Tafel-Frauen in handliche Stücke, die neu verpackt werden.

„Wir probieren fast alles, was wir nicht kennen, in unserer Küche aus.“Elmar Dubber, Vorsitzender Tafel Cloppenburg

Nebenan legen zwei Jugendliche im Akkord Eier in die Pappkartons. Ein Cappelner Legebetrieb liefert jede Woche 720 Stück umsonst. Zwei Bäckereien stiften frisches Brot, das nach Farbe auf drei Rollwagen verteilt wird: „hell“, „mittel“ und „dunkel“. Aus einer Löninger Kartoffelverarbeitung stammen die tiefgekühlten Kichererbsen-Fritten – eine echte Marktneuheit. „Die schmecken gut“, versichert Dubber. Die Mannschaft hat vorher gekostet. „Wir probieren fast alles, was wir nicht kennen, in unserer Küche aus“, erklärt der Vorsitzende. Nur so könne das Team überzeugend eine Empfehlung geben. Eine ganze Tonne der Spezialität hat die Tafel nun auf Lager.

Cloppenburger kosten für griechischen Markt gedachte Marmelade

Im Trockendepot steht kistenweise geschützt verpackter Stracchiatella-Kuchen aus der Backstraße eines deutschen Discounters und eine seltene Marmelade: Die süße Mischung aus Erdbeer, Pfirsich und Passionsfrucht war für den griechischen Markt gedacht. Jetzt kosten Cloppenburger davon.

Auf eine Ausweiskontrolle verzichtet die Tafel wegen des Virus‘. Betrug komme trotzdem nicht vor: „Wir kennen unsere Stammkunden über die Jahre“, berichtet Dubber. Neulinge in der Warteschlange hätten sich mehrfach direkt gemeldet. Ihre offizielle Anmeldung ist auf die Zeit nach Corona verschoben. Einkaufen dürfen sie jetzt schon: Hilfe geht vor Bürokratie.

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