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Gefährliches Konstrukt

Kommentar zum Thema: Keine Werkverträge in Schlachthöfen - Die Regierung hat schärfere Regeln für die Fleischindustrie beschlossen. Endlich. Die Branche hatte Zeit genug für eine Selbstreinigung.

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Endlich greift die Regierung durch, zieht die richtigen Konsequenzen aus den eklatanten Missständen in der Schlachtindustrie: Werkverträge, die in der Branche das zentrale Instrument eines verbreiteten menschenverachtenden Systems der Ausbeutung sind, sollen vom 1. Januar 2021 an in Fleischfabriken verboten sein.

Seit langem ist derweil klar, dass nur auf diesem Wege geordnete Verhältnisse in diesen Produktionszweig zurückkehren können, der sich sehr weitreichend außerhalb effektiver amtlicher Kontrollmechanismen befindet. Unternehmen haben stets ihre Machtstellung ausgespielt, um die notwendige Rückkehr zur sozialen Verantwortung auszubremsen. Es gab allenfalls Trippelschritte auf dem Weg zu Verhältnissen, die in Deutschland als selbstverständlich gelten müssten. Die Politik fügte sich zu oft, Behörden waren willfährig.

Und: Trotz des mühsam erkämpften Mindestlohns, trotz verschärfter Gesetze fanden Subunternehmer immer neue Methoden, wie Lohnprellerei und andere Formen der Abzocke bei den Abertausenden zumeist aus Osteuropa stammenden Werkvertragsarbeitern fortgesetzt werden können. Ihr Leben in Angst, extremer Abhängigkeit und in oft beengten Wohnverhältnissen ist zutreffend als „moderne Sklaverei“ bezeichnet worden. Damit muss Schluss sein.

Die Branche hatte Zeit genug für eine Selbstreinigung. Es fehlte der Wille. Mit den massenhaften Corona-Infektionen bei Schlachthof-Arbeitern wurde klar, wie gefährlich das mit Subunternehmen verflochtene Konstrukt der Fleischindustrie sein kann – für die Beschäftigten und die Gesellschaft.

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