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Nach rund 1000 Protokollen ist Schluss

Ruhestand: 44 Jahre lang war Ingrid Reinke in Goldenstedt Schriftführerin bei Sitzungen von Verwaltung und Politik. Im Rat wurde sie am Montag verabschiedet - und war danach gleich wieder in Aktion.

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Verabschiedung mit Blumen: Der Ratsvorsitzende Rudi Aumann (links) und Bürgermeister Alfred Kuhlmann danken Ingrid Reinke für ihre jahrzehntelangen Dienste. Foto: Ferber

Verabschiedung mit Blumen: Der Ratsvorsitzende Rudi Aumann (links) und Bürgermeister Alfred Kuhlmann danken Ingrid Reinke für ihre jahrzehntelangen Dienste. Foto: Ferber

Eine denkwürdige Ratsitzung hatte Goldenstedts Bürgermeister Alfred Kuhlmann (parteilos) am Montagabend im Bürgersaal angekündigt. Und dass nicht nur wegen Corona und der notwendigen Einhaltung der „AHA-Formel“ der Bundesregierung – Abstand, Hygiene, Alltagsmaske. Nach 44 Jahren war es zugleich die letzte offizielle Ratssitzung von Protokollantin Ingrid Reinke – auch wenn sie, wie Kuhlman berichtete, in der Übergangszeit wöchentlich noch einige Stunden für die Gemeinde tätig sein wird. Zum 1. Juni geht die 65-Jährige in den Ruhestand.

"Man könnte fast sagen: Die Bürgermeister und Ratsvorsitzenden kamen und gingen - Protokollführerin Ingrid Reinke blieb."Alfred Kuhlmann, Bürgermeister

Der Verwaltungschef nutzte die Bühne für ein großes Dankeschön. Bemerkenswert sei nicht nur die Dauer der Tätigkeit Reinkes, sondern auch die Art und Weise. „Mal waren die Protokolle länger, mal kürzer, aber immer – unabhängig von den politischen Diskussionen – sachlich, objektiv und inhaltlich korrekt. Du hast damit in den Jahren deiner Protokollanten-Tätigkeit einen hohen Maßstab gesetzt“, sagte Kuhlmann. In den 44 Jahren habe Reinke an etwa 1.000 Sitzungen teilgenommen und damit rund 1.000 Protokolle verfasst. Etwaige Urlaubstage habe er hierbei bereits berücksichtigt. Kuhlmann: „Man könnte fast sagen: Die Bürgermeister und Ratsvorsitzenden kamen und gingen - Protokollführerin Ingrid Reinke blieb.“

Auf die Frage, was sich im Sitzungsdienst in den vergangenen 40 Jahren verändert hat, habe die Fast-Rentnerin gesagt: „Die mediale Arbeit - und früher ging es in den Sitzungen noch gemächlicher zu. Zu besonderen Anlässen gab es sogar eine Flache Cognac und das Rauchen in den Sitzungen war Standard.“ Ingrid Reinke, der mit einem Blumenstrauß vom Bürgermeister und einem Präsent der CDU-Fraktion gedankt wurde, erklärte, ihr erstes Ratsprotokoll habe sie am 11. August 1976 verfasst. Zwei Tagesordnungspunkte seien ihr im Laufe der Jahre bis heute besonders in Erinnerung geblieben: Die Aufnahme eines Darlehens über eine Million DM, die ganz schnell beschlossen wurde, und die Benennung des Erholungsparks, die lange diskutiert wurde.


Zuschuss katholische Kirchengemeinde:

Nicht allzu lange diskutiert wurde indes über den Zuschussantrag der katholischen Kirchengemeinde St. Gorgonius. Über die Notwendigkeit der Sanierung der ungepflasterten Wege (Problem: keine Wasserdurchlässigkeit und kaum begehbare Teilflächen bei Regenfällen) sowie die Erneuerung der Lautsprecheranlage auf dem Friedhof in Lutten herrschte Einigkeit im Rat. Laut einstimmigem Beschluss wurde für die Sanierung der Wege (Neupflasterung von zirka 1.350 Quadratmeter Wegfläche) ein Investitionszuschuss von 85 Prozent der angefallenen Kosten (maximal 122.910 Euro) gebilligt. Für die neue Lautsprecheranlage, deren Audiosignal künftig während der Beerdigungen auf dem Friedhof auch in die Jacobus-Kirche übertragen werden soll, erhält die katholische Kirchengemeinde maximal 15.700 Euro (50 Prozent).

Bei Regenfällen wird es auf dem Lutter Friedhof schnell matschig. Archivfoto: EbertBei Regenfällen wird es auf dem Lutter Friedhof schnell matschig. Archivfoto: Ebert

Für das Friedhofs- und Bestattungswesen, erinnerten Bürgermeister Alfred Kuhlmann und der CDU-Fraktionsvorsitzende Otto Themann, sei eigentlich die Gemeinde zuständig. Die Aufgaben würden in Goldenstedt erfreulicherweise von der katholischen und evangelischen Kirchengemeinde übernommen. „Wären die vielen ehrenamtlichen Helferinnen und Helfer aus beiden Kirchengemeinden nicht da zur Pflege und Verwaltung der Friedhöfe, müssten wir Leute in Vollzeit einstellen“, verdeutlichte Themann.

Errichtung einer Friedhofskapelle:

Die evangelisch-lutherische Kirchengemeinde Goldenstedt kann nach einstimmigem Ratsvotum mit einem Zuschuss in Höhe von 85 Prozent der zuwendungsfähigen Ausgaben für den Neubau einer Friedhofskapelle rechnen. Die Kirchengemeinde wird laut Beschlussvorschlag aufgefordert, bis zur nächsten Haushaltsberatung Planung und Kostenschätzung (eine erste Kalkulation geht von 400.000 Euro aus) vorzulegen, damit die genaue Zuschusssumme in den Etats 2021 und 2022 veranschlagt werden kann.

Die Leichenhalle auf dem evangelischen Friedhof in Goldenstedt soll durch eine Friedhofskapelle ersetzt werden. Archivfoto: EbertDie Leichenhalle auf dem evangelischen Friedhof in Goldenstedt soll durch eine Friedhofskapelle ersetzt werden. Archivfoto: Ebert

Die neue Friedhofskapelle soll laut Antrag der Kirchengemeinde die alte, marode Leichenhalle, die 1950 ursprünglich als Leichenwagenhaus errichtet und im Anschluss zur Leichenhalle umfunktioniert wurde, ersetzen – und für Begräbnisse aller Religionen und auch von Konfessionslosen genutzt werden. Elisabeth Wübbeler (CDU) sagte, sie sei bei der Besichtigung der Leichenhalle „ein bisschen geschockt“ gewesen. „Das ist wirklich kein würdiger Ort, um sich zu verabschieden, insbesondere nicht für die Gruppen, die nicht die Kirche nutzen können.“

  • Info: Die jährliche Bereisung und der bunte Nachmittag für die 80-Jährigen der Gemeinde Goldenstedt war für den 17. Juni geplant. Wegen der Corona-Pandemie wird der Termin aber, wie Bürgermeister Alfred Kuhlmann in der Ratsitzung mitteilte, auf den 11. November verschoben.

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