Das Nachrichtenportal vonMünsterländische Tageszeitung MT undOldenburgische Volkszeitung OV

Auf Schusters Rappen die Heimat erkunden

Birgit Schlarmann nutzt die Corona-Krise, um entlang des Pickerwegs durch den Landkreis zu wandern. Die Steinfelderin legte in vier Tagen 72,5 Kilometer zurück.

Artikel teilen:
Birgit Schlarmann aus Steinfeld ist gerne in der Natur unterwegs. Foto: Timphaus

Birgit Schlarmann aus Steinfeld ist gerne in der Natur unterwegs. Foto: Timphaus

Die gelbe Jakobsmuschel auf blauem Grund hat ihr den Weg gewiesen: Birgit Schlarmann aus Steinfeld hat die Einschränkungen des Alltags aufgrund der Corona-Pandemie dazu genutzt, entlang des Pickerwegs ihre Heimat zu erkunden. Im Interview berichtet die 52-Jährige über ihre Erlebnisse und Erfahrungen während der Wandertour durch den Landkreis Vechta.

Frau Schlarmann, wie kamen Sie auf die Idee, entlang des Pickerweges den Landkreis Vechta zu durchwandern?

Coronabedingt war – wie auch in vielen anderen Familien – der Alltag plötzlich völlig anders als sonst. Unsere geplante Reise musste ausfallen. Mein Ehemann Jürgen arbeitete sofort wieder, da er selbstständig ist, ich hatte jedoch noch eineinhalb Wochen Urlaub. Wir unternehmen öfter längere Spaziergänge, meistens auf den gleichen Strecken in den Dammer Bergen, am Dümmer oder bei uns in Harpendorf. Die Idee, gerade den Jakobs- beziehungsweise Pickerweg zu wandern, kam mir spontan. Ich wollte mal etwas Neues ausprobieren und versuchte Kartenmaterial zu bekommen. Doch dies war so kurzfristig nicht möglich. Also orientierte ich mich an den Schildern mit der Jakobsmuschel.

Wie sind Sie das Wanderprojekt angegangen?

Ein Projekt war es erst einmal nicht – eher ein spontaner Entschluss. Ich wusste, dass der Jakobsweg unter anderem beim Pferdehof Gramann in Vechta entlang führt. Von dort aus machte ich mich auf den Rückweg in Richtung Lohne – Kroge – Holthausen zum Kokenberg. Ich entschied mich erst am Tag danach, weitere Etappen zu gehen, da ich viele schöne Eindrücke gewonnen hatte und der erste Muskelkater schnell verschwunden war.

Am nächsten Tag startete ich vom Kokenberg aus zum Klosterhotel in Damme. Einen Tag später ging es von dort aus bis hinter Vörden. Bei den beiden ersten Touren bin ich jeweils 18 Kilometer gelaufen, bei der letzten Etappe 14 Kilometer. Dann wollte ich den gesamten Landkreis erwandern und nahm mir die Strecke von Visbek nach Vechta vor. Diese Etappe hatte es in sich. An diesem Tag bin ich 22,5 Kilometer gewandert und war auch schon ziemlich an meine Grenzen gekommen. Insgesamt kam ich auf 72,5 Kilometer. Ich bin an allen Tagen morgens um circa 8 Uhr gestartet und war jeweils fünf bis sechs Stunden unterwegs.

Welche Erfahrungen und Eindrücke haben Sie gesammelt?

Beim Wandern nimmt man die Umgebung viel intensiver wahr. Überraschend war für mich, dass es so viele schöne Wanderwege, die nicht zugleich auch Radwege sind, bei uns im Landkreis gibt. Selbst in den Gegenden, wo man meint sich auszukennen, lernt man neue Wege kennen. Während meiner Touren erfreute ich mich oft an Kleinigkeiten: an einem mit Moos und Zweigen dekorierten Baumstumpf, an den Knospen der Bäume und Sträucher. Ich entdeckte einige schöne Fotomotive. Toll war es für mich, den zweiten Wandertag in der Benediktiner-Oase – einem kleinen, abgetrennten Raum der früheren Benediktiner-Kapelle – zu beenden. Das war einfach eindrucksvoll und dankenswert. In Vörden konnte ich mir den Pilgerstempel, den es sonst in Pfarrbüros und Touristinformationen gibt, selbst im Turm der St.-Paulus-Kirche holen.

Stimmungsvolles Naturschauspiel: Die Wollgrasblüte in Campemoor bot der Steinfelderin schöne Motive für das Fotoalbum. Foto: SchlarmannStimmungsvolles Naturschauspiel: Die Wollgrasblüte in Campemoor bot der Steinfelderin schöne Motive für das Fotoalbum. Foto: Schlarmann

Wo hat es Ihnen besonders gut gefallen – und warum?

Die beiden Etappen zwischen Holthausen und Vörden waren recht abwechslungsreich und sind besonders ruhig gelegen. In den Dammer Bergen sowie im Bexaddetal war es einfach schön, weil die meisten Wege durch den Wald und durch Berg und Tal führen. Auf Waldboden zu wandern macht auf jeden Fall mehr Spaß als an stark befahrenen Straßen. Unterwegs gab es viele sehr schön gelegene Rastplätze.

Welche Tipps können Sie angehenden Wanderern geben?

Die beste Startzeit ist gegen 8 Uhr morgens. Zum einen ist man selbst noch frisch, zum anderen kann man das Wetter besser ausnutzen und es sind noch nicht so viele Menschen unterwegs. Zur Ausrüstung: gute feste, eingelaufene Schuhe oder Wanderschuhe sind empfehlenswert; eventuell Wanderstöcke. Anziehen sollte man sich im „Zwiebellook“. Außerdem sollten in den Rucksack: Stirnband, Sonnenbrille, Sonnencreme, Blasenpflaster, Desinfektionstücher, genügend zum Trinken und Proviant. Zur Orientierung sind die Apps „Google Maps“ und „Komoot“ empfehlenswert. Wichtig ist auch, bei größeren Strecken rechtzeitig zu pausieren und mehrere Stopps zu machen – und nicht erst, wenn die Füße schwer werden oder schmerzen.

Ein Friedensgruß am Wegesrand: Ein mit Moos und Zweigen dekorierter Baumstamm begeisterte Birgit Schlarmann im Bexaddetal. Foto: SchlarmannEin Friedensgruß am Wegesrand: Ein mit Moos und Zweigen dekorierter Baumstamm begeisterte Birgit Schlarmann im Bexaddetal. Foto: Schlarmann

Zur Person

  • Birgit Schlarmann wohnt mit ihrem Ehemann Jürgen, den Kindern Magdalena (23) und Johann (20) und Hund Naldo in Harpendorf/Steinfeld.
  • Die 52-Jährige arbeitet in Teilzeit als Kundenberaterin bei der Landessparkasse zu Oldenburg (LzO) in Vechta und macht zusätzlich die Personalbuchhaltung für den Tischlereibetrieb ihres Mannes.

Hier klicken und om-online zum Start-Bildschirm hinzufügen

Auf Schusters Rappen die Heimat erkunden - OM online