Das Nachrichtenportal vonMünsterländische Tageszeitung MT undOldenburgische Volkszeitung OV

Familienmitglieder werden zu Akrobaten

Corona bremste die heimischen Show- und Turngruppen aus. Nach wochenlangen Übungen daheim ist Freiluft-Training nun wieder erlaubt.

Artikel teilen:
Annie überwacht zu Hause die korrekte Ausführung: Der Hund der Familie Lübbers aus Vechta hat die Halteübung von Rebecca und Vater Heiner genau im Blick. Am Samstag startet In Motion das erste gemeinsame Freilufttraining nach der Corona-Pause. Fotos: Wichmann

Annie überwacht zu Hause die korrekte Ausführung: Der Hund der Familie Lübbers aus Vechta hat die Halteübung von Rebecca und Vater Heiner genau im Blick. Am Samstag startet In Motion das erste gemeinsame Freilufttraining nach der Corona-Pause. Fotos: Wichmann

Eines ist für einen Sportakrobaten unverzichtbar: Körperkontakt. Allerdings sorgt die Corona-Krise dafür, dass genau darauf derzeit verzichtet werden muss oder sollte. Und das stellt die heimischen Vereine vor einige Probleme und Herausforderungen. „Gemeinsames Training bei der Partnerakrobatik ist wohl auch auf längere Sicht noch unmöglich“, erwartet Bettina Wichmann, Teamsprecherin von In Motion Vechta. Und auch Julia Henze, Trainerin der Akrolohnikas aus Lohne, sagt: „Im Moment ist es einfach nur schwierig, wir gucken eher in Richtung 2021.“

Die Vechtaer Akrobatik-Gruppe In Motion hatte bereits über knapp neun Monate an einem neuen Showprogramm gefeilt, bevor die Pandemie alles zum Stillstand brachte. Zwei Trainingswochenenden bis zur Generalprobe und Premiere hätten noch gefehlt, erklärt Bettina Wichmann. Die Liste der abgesagten Veranstaltungen auf der Homepage von In Motion ist lang: Das Showfestival in Rastede (April), ein Auftritt beim Balve Optimum (Reitturnier, Mai) oder das Landesturnfest in Oldenburg, was ebenfalls im Mai hätte stattfinden sollen. Unter der Rubrik „Anstehende Auftritte“ sind im Moment drei Fragezeichen zu sehen. Eingeschlafen ist das Team aber trotzdem nicht. Die Planungen an der Show laufen weiter, geübt wurde in der Zwangspause zu Hause. „Da müssen dann Eltern, Geschwister und Partner als improvisierte Ober- oder Unterpartner herhalten“, sagt Bettina Wichmann. Aber auch Kraft- und Ausdauer standen auf dem Programm. Ein Lichtblick ist jetzt, dass die Gruppe sich ab dem kommenden Samstag zumindest wieder draußen und auf Abstand treffen kann. Der Fokus wird dabei ebenfalls auf Kraft- und Ausdauertraining liegen, bestätigt Bettina Wichmann: „Und wir werden neue Tanzsequenzen einstudieren.“ Halte-, Hebe- und Wurffiguren sind momentan noch nicht erlaubt. In Motion wünscht sich jetzt, mit bereits eingereichten Bewerbungen beim Feuerwerk der Turnkunst (ab Dezember) und beim Showact des Jahres 2021 im Januar angenommen zu werden. Und: „Wir sitzen auf heißen Kohlen und hoffen, dass wir bald wieder gemeinsam in die Halle dürfen“, sagt Bettina Wichmann abschließend.

Die Sportakrobaten liefern einige Impressionen von ihren Heimtrainings. Fotos: Wichmannbr

Ähnliche Hoffnungen hegen die Akrolohnikas. Die Situation ist vergleichbar, neben dem Landesturnfest fielen für die Lohner Akrobaten auch diverse Landes- und Bundesmeisterschaften der Corona-Krise zum Opfer. In den Osterferien hatte das Team, bestehend aus einer Sport- und einer Showakrobatik-Gruppe, ein Trainingslager geplant. Dort sollte die Show fertiggestellt und der Feinschliff für die Wettkämpfe durchgeführt werden. „Wir waren für die Meisterschaften schon ziemlich gut vorbereitet und auf einem guten Leistungsstand. Es hätte losgehen können“, sagt Trainerin Julia Henze. Sie hatte ihren Schützlingen Trainingspläne übermittelt – also auch in Lohne wurde fleißig einzeln geübt, „was die Räumlichkeiten zu Hause halt so hergeben“, sagt Julia Henze.

"Man fragt sich, wie das mit dem Kontaktsport in Zukunft laufen soll."Julia Henze, Trainerin der Lohner Akrolohnikas

Gruppentraining fand bis zuletzt höchstens per Videokonferenz statt, bei Fragen nahmen die Sportlerinnen sich und ihre Übungen auf und schickten das Material an die Trainerin. So lange wie jetzt hätten ihre Gruppen noch nie pausiert, selbst in den Sommerferien stehe der Betrieb keine sechs Wochen still, erklärt Julia Henze: „Und jetzt durch Corona sogar noch länger. Man fragt sich, wie das mit dem Kontaktsport in Zukunft laufen soll“, sagt sie. So langsam finden allerdings auch die Akrolohnikas zurück zur Normalität: Heute findet die erste Trainingseinheit unter freiem Himmel statt – bei Einhaltung der Abstands- und Hygieneregeln. Auch die Lohnerinnen werden sich vornehmlich auf Fitness, Kraft und Ausdauer konzentrieren.

Die Akrolohnikas-Showgruppe hat sich für die Weltmeisterschaft 2021 in Lissabon qualifiziert (Gym for Life Challenge, 13. bis 17. Juli) und hofft auch auf eine Teilnahme am Deutschen Turnfest in Leipzig, ebenfalls 2021. Und damit den Sportlerinnen bis zur Rückkehr in die Halle nicht die Decke auf den Kopf fällt, stellen sie sich eben selbst auf den Kopf – oder lassen sich von ihren Familienmitgliedern unter die heimischen Decken heben.

Hier klicken und om-online zum Start-Bildschirm hinzufügen

Familienmitglieder werden zu Akrobaten - OM online