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Junge Menschen lernen das ABC des Onlinehandels

Die Handelslehranstalten Lohne bilden angehende Kaufleute im E-Commerce aus. Die Corona-Krise zeigt: Es ist ein Berufsfeld mit einer guten Zukunftsperspektive.

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Ein Beruf für die digitalen Geschäftsfelder: Thomas Fischer-Südkamp, Bildungsgangsleiter E-Commerce an den Handelslehranstalten Lohne, während einer Videokonferenz mit den Auszubildenden im eigens für dieses Angebot eingerichteten Raum. Foto: Sieve

Ein Beruf für die digitalen Geschäftsfelder: Thomas Fischer-Südkamp, Bildungsgangsleiter E-Commerce an den Handelslehranstalten Lohne, während einer Videokonferenz mit den Auszubildenden im eigens für dieses Angebot eingerichteten Raum. Foto: Sieve

Die Geschäfte sind geschlossen, shoppen gehen fällt aus: Die Corona-Pandemie wirkt sich massiv auf Handel und Wirtschaft aus – auch nach der Wiedereröffnung der Geschäfte unter strikten Auflagen. Die Krise verschärft den Unterschied zwischen denen, die online erfolgreich sind, und jenen, die es nicht sind. Die Handelslehranstalten (HLA) in Lohne bieten seit 2018 mit dem Kaufmann/der Kauffrau im E-Commerce einen Ausbildungsberuf an, dessen glänzende Zukunftsperspektive gerade in Corona-Zeiten deutlich wird.

E-Commerce-Kaufleute bauen Online-Shops auf, pflegen neue Produkte ein, analysiert relevante Kennzahlen, um Kaufabbrüche und Retouren zu minimieren und entwickelt Marketing-Ideen. Auch klassische kaufmännische Tätigkeiten wie das Bearbeiten von Rechnungen oder die Beratung von Kunden gehören zu den Aufgaben der Digital-Kaufleute.

Thomas Fischer-Südkamp, Bildungsgangsleiter E-Commerce an den HLA, führt aus: „Der Lockdown und die Schließung vieler Geschäfte führen uns vor Augen, wie wichtig der digitale Handel auch für regionale Unternehmen und die damit verbundenen digitalen Kompetenzen im E-Commerce im Landkreis Vechta sind. “ Seiner Meinung nach gebe der Ausbildungsberuf die Antwort auf künftige Herausforderungen und biete für junge Menschen eine „hochinteressante und zukunftssichere Perspektive mit verschiedenen Weiterbildungsmöglichkeiten“.

"Noch mehr Unternehmen in der Region sollten die Chance wahrnehmen und in diesem Bereich ausbilden."Thomas Fischer-Südkamp, Bildungsgangsleiter E-Commerce 

Die E-Commerce-Kaufleute sind dabei nicht nur für Groß- und Einzelhandel interessant. In dem Querschnittsberuf bilden beispielsweise auch Banken oder Industrieunternehmen aus. Zudem durften laut Fischer-Südkamp reine Online- und Versandhändler bis vor kurzem nicht selber ausbilden, weil sie keine eigenen Ladengeschäfte mit einer Beratungssituation vorweisen konnten. „Diese Situation hat sich geändert – schließlich lassen sich Kunden auch online beraten wie in einem Geschäft, zum Beispiel per Videokonferenz.“

Der HLA-Bildungsgangleiter äußert den Wunsch, „dass noch mehr Unternehmen in der Region die Chance wahrnehmen und in diesem Bereich ausbilden“. Er wirbt darum, dass sich Betriebe zeitnah bei den HLA informieren.

Das Beispiel der Firma MF Manfred Faske

So wie die Firma MF Manfred Faske aus Calveslage. Das Unternehmen ist ein klassischer Produktionsverbindungshandel für die Industrie und das Handwerk. Es wird in zweiter Generation von Mirco Faske geführt. Bereits seit 2018 werden in dem Betrieb angehende Kaufleute im E-Commerce ausgebildet.

Die Ausbilder Holger Helms und Heike Kläbisch erklären die Hintergründe: „Beim Kaufmann im E-Commerce handelt es sich um einen zukunftssicheren und abwechslungsreichen Beruf. Gerade für junge Menschen, die Spaß am Umgang mit Computern haben, ist das Aufgabengebiet interessant. Außerdem gibt es viele Schnittstellen im Betrieb.“

Für den Faske-Auszubildenden Till Brekemeyer steht fest: „Ich habe wirklich das Gefühl, verantwortungsvolle Tätigkeit bei uns im Betrieb zu übernehmen. So können wir bereits jetzt eigene Online-Shops erstellen und so dafür sorgen, dass Projekte schneller umgesetzt werden.“ Mit Niklas Lohmann hat der Calveslager Betrieb sogar noch einen weiteren Auszubildenden am Start.

Der Auszubildende Till Berkemeyer an seinem Arbeitsplatz in Calveslage. Foto: KläbischDer Auszubildende Till Berkemeyer an seinem Arbeitsplatz in Calveslage. Foto: Kläbisch

Die Erfahrungen der Volksbank Lohne-Mühlen

Auch die Volksbank Lohne-Mühlen hat nach eigenen Angaben gute Erfahrungen mit dem neuen Berufsfeld gemacht. Aktuell absolvieren zwei junge Männer die Ausbildung zum Kaufmann im E-Commerce bei dem Kreditinstitut. „Wir sind damit ein Vorreiter in unserer Branche“, heißt es aus der Bank.

Der Druck im Finanzsektor sei aufgrund der fortschreitenden Digitalisierung hoch. Nicht nur Waren und Produkte, sondern auch Dienstleistungen würden verstärkt im Onlinehandel vermarktet. Die Ausbildungsinhalte klassischer kaufmännischer Berufe deckten den Bereich E-Commerce nicht umfassend ab. Für die Volksbank Lohne-Mühlen ist es nach eigenen Angaben auch wichtig, die Entwicklung eigener, im Unternehmen ausgebildeter Fachkräfte voranzutreiben. Die Integration des neuen Ausbildungsberufs stelle eine Herausforderung dar.

Angehende Digital-Kaufleute lernen selbstständiges Arbeiten, leiten kleinere Projekte und können ein Auslandspraktikum absolvieren. Für die Volksbank übernehmen die Auszubildenden im E-Commerce „eine gute Schnittstellenfunktion innerhalb der Bank“, da sie ständig in Kommunikation mit EDV, Marketing und Marktbereich stehen. „Durch die Ausbildung zum Kaufmann im E-Commerce stellen wir uns als kleinere regionale Bank im Ausbildungsprogramm breiter auf.“

Frederike Sieve will Digital-Kauffrau werden

Frederike Sieve macht aktuell ihr Abitur am Beruflichen Gymnasium Wirtschaft der HLA. Sie will Kauffrau im E-Commerce werden, weil der Beruf „durch die Verbindung mit kaufmännischen und gestalterischen Tätigkeiten sehr vielseitig und abwechslungsreich ist und daher gut zu mir passt“. Onlinehandel sei aktueller denn je und rücke immer weiter in den Vordergrund. „Auch Unternehmen stärken immer mehr ihre Präsenz im Internet durch Online-Shops oder Webseiten. Diese zu gestalten, zu verfolgen und vieles anderes, erscheint mir als ein perfekter Beruf.“

Die HLA sind vom neuen Ausbildungsberuf überzeugt

Laut Sandra Sieve, Koordinatorin der Berufsschule, sind die Verantwortlichen der HLA davon überzeugt, „mit diesem neuen Beruf in die richtige Richtung zu gehen“. Auch in anderen, derzeit neu geordneten Berufen, werde der Bereich E-Commerce immer stärker in den Vordergrund gerückt. Für die Betriebe sei es wichtig, sich über die Tätigkeiten und Aufgabenbereich klar zu werden und passende Bewerber zu finden.

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